Suche
  • Haus und Hof
  • in den Vogesen
Suche Menü

Wie schnell man im Ausland zum „Nazi“ werden kann

 

Ein bis zweimal pro Woche gehe ich zu unserem Briefkasten, der seitlich auf halbem Weg in der ca. 80 m langen, bewachsenen Einfahrt steht. Dabei sehe ich eines Tages, an einem Wochenende, einen älteren Mann seitlich in der Zufahrt sein grösseres Geschäft verrichten.

Da ich mich nicht erinnern konnte, dass jemand an uns Rachegelüste ausleben musste, rief ich beim Weitergehen laut eher harmlose Sätze wie „Das gibt’s doch nicht“, „hat man sowas schon gesehen, Leuten in die Einfahrt scheissen“, „gehört sich sowas“ auf deutsch in die Richtung des Notdurft verrichtenden Mannes.
Aus der Lautstärke und den Gesten, die die zugerufenen Sätze begleiteten, hätte man vermuten können, dass ein dadurch hervorgerufenes Unrechtsbewusstsein beim Verrichter Anlass hätte geben können, den Ort der Ablage Hose hochziehend schnellstens zu Verlassen.

Keineswegs darf man aber bei Erwartungen an Andere von sich selbst ausgehen. So auch war in diesem Falle der Scheisser entweder – altersbedingt – taub, oder, was ich mir später überlegte, beim Hören deutscher Worte in Erinnerung eigener schmerzlicher Erlebnisse im letzten WK, im nachhinein so von seinem rechten Tun überzeugt, dass er trotzig und unbeeindruckt seine Darmentleerung beendete, langsam die Hose hochzog und gemütlich den Weg hinunter trottete.

Schimpfend lief ich ihm noch einige Meter hinterher und bemerkte, dass unten an der Zufahrt, hinter einer Kurve ein PKW auf ihn wartet. Auf dem Beifahrersitz eine alte Frau – vermutlich die Ehefrau des Ausflüglers.
Der Fahrer – vermutlich der Sohn, der seine Eltern für einen Landausflug aus dem Altersheim abgeholt hatte, stieg nun aus dem Fahrzeug und weil er meine Schimpftiraden gehört haben musste, rief er mir entgegen: „Hitler kaputt!“, stieg wieder in das Fahrzeug und fuhr mit den Ausflüglern davon.
Wenn man einen grösseren Drang verspührt und das heimische Klo zu weit entfernt ist, muss man diesem ja nicht gerade in bewohnten Einfahrten Rechnung tragen, zumal es in  einer bewaldeten Gegend genügend andere, ebenfalls nicht einsehbare, Plätze gegeben hätte.

Nun, so hätte ich gedacht und wenn, ja wenn ich mich so ähnlich verhalten hätte – was ich aber definitiv ausschliessen kann – wäre ich mit hochrotem Kopf und im Laufschritt vom Ort des Geschehens verschwunden und hätte mich nie, niemals wieder dort blicken lassen.

Es muss sich bei dieser Begebenheit aber offensichtlich um eine Umkehr des Unrechtsverhältnisses gehandelt haben und ich hätte mich besser dafür entschuldigen müssen, dass ich das Abkoten in unserer Einfahrt nicht gut finden kann; weil, ein paar Tage später lagen 2 aufgerissene Hausmüllsäcke, ein verrostetes Ölfass und div. kleinteiliger Sperrmüll in unserer Zufahrt …

Wie blöd muss man eigentlich sein, wenn man die Kontoauszüge (der Eltern?) mit Anschrift nicht vorher entfernt? Das hätte für eine Anzeige wegen „unerlaubtem Entsorgen von Hausmüll“ gereicht. Einmal wiederholte sich diese Müllabladung noch.
Für den Fall, dass sich aus solch einer Begebenheit ein Kleinkrieg entwickelt hätte, habe ich aber auf eine Anzeige verzichtet, den Müll entsorgt, aber vorsorglich mal die Kontoauszüge aufgehoben.

Zwei, drei weitere Wochen danach hatte man uns vermutlich aus „Rache“ einen weiteren Haufen auf gleicher Weghöhe, diesmal aber in die Mitte des Weges gesetzt …