Suche
  • Haus und Hof
  • in den Vogesen
Suche Menü

Selbstversorgung – eine Bilanz

Gerade der letzte Tag eines Jahres eignet sich doch bestens dafür, Bilanz zu ziehen über 8 vergangene Jahre des selbstbestimmten Lebens mit einer Teilselbstversorgung.

„Selbstversorgung wie sie wirklich ist“ könnte die Überschrift dafür auch lauten.

Mit Beginn des ständigen Wohnens 2007 wurde auch ein Garten angelegt. Das erste gebrauchte Gewächshaus ist schon 1997 aufgebaut worden. In Deutschland abgebaut, hierher transportiert, war die Freude daran nur von kurzer Dauer. Der Sturm „Lothar“ im Dezember 1999, zerlegte es in 1000 Scherben und verbog die Alu-Profile, so dass auch kein Neuaufbau mit neuen Scheiben mehr möglich war. Ein zweites, ebenfalls gebraucht, hat die folgenden Stürme bis heute überlebt.

Gärtnern auf 760 m Meereshöhe in einem Mittelgebirge ist alles andere als leicht. Erschwerend kommt noch hinzu, dass das Gelände nach Norden geneigt ist, statt nach Süden. Und um das Mass voll zu machen, ist auch das Kleinklima nicht geeignet, die ersten beiden Nachteile auszugleichen. Die Neigung nach Norden geht in eine Tallage über, in der sich nachts die kalte Luft sammelt (Kaltluftsee) und morgens erst spät aufsteigt, nachdem sie sich erwärmt hat.

Allerdings stellt sich das Gärtnern bei zwei Nachbarn in wenigen 100 m Entfernung als positiver dar. Der Garten des einen liegt 10 m höher als unser Hof. Seine Erntetermine waren immer 2-3 Wochen früher als unsere. Der andere Nachbar liegt etwa 10 m tiefer und er erntet jedes Jahr Pfirsiche am Spalier der Ostseite des Hauses.

Dies alles führt zu kurzen Vegetationsperioden und ein Anbau bestimmter Gemüsesorten lohnt gar nicht. Bohnen z.B., die Mitte Mai gelegt, durch einen Bodenfrost Anfang Juni einen Rückschlag im Wachstum erleiden, bleibt häufig keine Zeit zum Reifen mehr, weil erste Nachtfröste Anfang September schon Schäden anrichten können.

Manche Jahre lässt sich ein wochenlanger Wachstumsstau bei allen Gemüsearten beobachten. Obstsorten gehen, ausser Apfelsorten, die spät blühen, überhaupt nicht und die spät blühenden Äpfel auch nicht jedes Jahr. Einer von 3 vor 15 Jahren gepflanzten Walnussbäumen hat in diesem Jahr das erste Kilo Nüsse gebracht, wohingegen die möglichen Erträge der Kulturhaselnusssträucher die Eichhörnchen einfahren. Gut gehen Kartoffeln – wenn es keinen feuchten Herbst gibt, der die Braunfäule begünstigt. Jede Art von Kohl gedeiht ebenfalls recht gut – wenn entweder die Gelege des Kohlweisslings oder aber dessen Raupen zerstört/abgesammelt werden.
Kürbisse reifen nicht aus, Möhren werden von Wühlmäusen gefressen, wie überhaupt Wurzelgemüse nur noch im Hochbeet, mit Wühlmausschutz am Boden, angebaut werden können.

Was noch gut wächst sind div. Beeren – vorausgesetzt, die Büsche werden vor der Ernte mit Vogelschutznetzen abgedeckt. Jedoch hat 2015 eine Gattung von Blattwespen hier die Stachelbeerbüsche gefunden und deren Raupen einen Blätterkahlfrass veranstaltet, den ich nicht verhindern konnte, weil zu spät bemerkt.
Der saure Boden begünstigt das Wachstum der hier heimischen Blaubeere. Jedoch, in den vergangenen 8 Jahren gab es nur in 2 Jahren vertretbare Ernten. Eine einzige Frostnacht in die Blüten und das Jahr vergeht ohne Beerenernte.

Auch Salate wachsen ganz gut. Probleme mit grossen Wegschnecken gibt es wegen der Enten im Umkreis des Gartens wenige. Dafür leben die kleineren Schnecken von bis zu 5 mm Grösse gleich in den Blätter der Salatpflanzen. Das bietet nicht nur Schutz vor Austrocknung, sondern auch Schutz vor dem Absammeln.

Weil hier nur der rote Hollunder heimisch ist und sich auch sehr gut vermehrt, habe ich ein paar Triebe des schwarzen Hollunders gesteckt. Nach einigen Jahren hatte ein Strauch auch Beeren zum Ernten. Aber auch hier ist es so, dass es nur dann etwas zu ernten gibt, wenn die Sträucher mit Netzen gegen die Amseln und Drosseln geschützt werden – ein nahezu aussichtsloses Unterfangen bei 3-4 m hohen Sträuchern! Im langen schneereichen Winter 2013/14 ist zudem ein schon recht grosser Holunberbusch aufgrund der Schneelast auf den Ästen mit sämtlichen Wurzeln umgebrochen. Im Frühjahr, als der Boden wieder auftaute, wurde der Busch mit Stützen wieder in die Senkrechte gebracht und wuchs so wieder an.

Kräuter gedeihen nur in Töpfen, weil sie im Boden den Winter über erfrieren würden, Tomaten und Gurken nur im Gewächshaus, wo jedoch erstere zum Herbst hin Braunfäule und letztere Pilzbefall bekommen. Dieser Pilz dringt dann in das GH ein, wenn im Hochsommer auch nachts die Tür als Überhitzungsschutz aufbleiben muss.

Meine zahlreichen Meerrettich Anbauversuche fallen jedesmal den Wühlmäusen zum Opfer. Wühlmäuse haben auch einen (nie tragenden) Zwetschgenbaum, eine Quitte (ebenfalls nie tragend) und eine Eiche zum Absterben gebracht, indem sie die Wurzeln abgenagt haben. Selbst eine Kaiserkrone hatte keine Chance.

Ansiedlungsversuche von Bärlauch, und Maiglöckchen hatten nur mässigen Erfolg – sie leben noch, vermehren sich aber langsam oder gar nicht. Das Immergrün und Flechtweiden wachsen auf dieser Höhe noch erstaunlich gut, wenn letztere die Schälungen der Rehe im Winter überleben.
Sehr gut gefällt es dem ausgebrachten wilden Majoran, Dost, hier. Mit zahlreichen Blüten wird er gerne von Bienen und anderen Insekten besucht. Die Kletterrose an der Westseite des Hauses ist schon die zweite – angeblich eine gegen div. Krankheiten resistente Sorte -, weil der erste Stock jedes Jahr im Frühjahr von einer anderen Blattwespenart befallen wurde, deren Raupen Löcher in die Blätter frassen, die dann abfallen. Bei der zweiten Pflanzung ging es 2 Jahre gut, aber 2015 wurde die neue Sorte sowohl von der Blattwespe, als auch von Schildläusen und zuletzt vom Rosenrost befallen – ein grauenvoller Anblick! Ob die Pflanze überlebt hat, wird das kommende Frühjahr zeigen.

Also, die gärtnerischen Erfolge halten sich in engen Grenzen. Der durchgängig saure Boden wird seinen Anteil daran haben. Der Frust setzt sich leider fort, wenn nicht nur Nutz- sondern auch Zierpflanzen von Schädlingen heimgesucht werden.

Kommen wir vom Garten zu den (Nutz)tieren:

Schafe und Ziegen, als Flächenpfleger eingesetzt, erwiesen sich als zweckmässig und auch sehr robust in der Haltung. Lediglich ein unerfahrenes Jungschaf musste nach dem Verzehr von Giftpflanzen (wahrscheinlich Fingerhut) notgeschlachtet werden.
Ein weiterer Jungschafbock, der sich im Pubertätseifer an Baumstämmen die Kopfhaut blutig gestossen hatte, zog dadurch Fliegen an, deren Larven sich in den Wunden vermehrten. Die Ausbreitung der Fliegenlarven setzte sich in das Fell des Tieres fort. Vom Fell aus frassen sich die Larven – unsichtbar für uns – in das Innere des Tieres weiter, so dass Hilfe nicht mehr möglich war.

Jedoch, auch nur ein Loch im Zaun oder ein unverschlossenes Weidetor und vorhandenen Zierpflanzen wird binnen Minuten der Garaus gemacht – egal ob Schaf oder Ziege. Besonders beliebt scheint hier das (giftige) Efeu zu sein.
Von den ca. 3 Dutzend Weinbergschnecken, die ich vor über 10 Jahren versucht habe, hier anzusiedeln, ist mir keine einzige mehr „über den Weg“ gelaufen. Vielleicht liegt das nicht nur an der Höhenlage mit der geringen Chance der Überwinterung, sondern auch daran, dass sie ihren Kalkbedarf in dieser eher sauren Bodenregion nicht decken konnten.

Immer wieder Freude hat die Aufzucht von Geflügel bereitet. Im Verlauf der Jahre waren dies Hühner, Enten und Gänse. Alle Geflügearten haben noch selbst gebrütet, weil es dabei aber keine Garantie für die Schlupf- und Aufzuchtrate gibt, wurden auch immer wieder Eier im Brutapparat ausgebrütet.
Um so ärgerlicher war es dann, wenn der aufgepäppelte Nachwuchs, gerade aus dem Gröbsten heraus, Opfer des Habichts wurde. Innerhalb einer Woche konnte der 10 Kücken auf 3 reduzieren, wenn er sich gerade auf unseren Hof eingeflogen hatte.
Selbstverständlich gingen auch div. Hühner und erwachsene Enten auf dessen Konto. Die grösseren Weibchen können auch erwachsene Hühner und Enten aufnehmen und damit einen sicheren Platz zum Verzehren anfliegen.

Gegen den Habicht gibt es nur ein einziges Mittel und das ist, das Geflügel in Voilieren zu halten. Wer aber schon einmal Hühner beobachtet hat, wenn die ihren Eiweissbedarf über den Sommer im grossen Umkreis des Hühnerhofes decken, oder Enten im Gras nach Kleinlebewesen suchen, sich über den Teich freuen und Gänse auf dem Grasland weiden, kann diese Tiere in keine Gehege stecken.

Verluste durch Füchse waren eigenartiger Weise selten. Nur 1 Gans ging auf dessen Konto, einen Jungfuchs konnte ich tagsüber aus dem Hühnerhof in die Flucht schlagen und einer ging in einem Winter in die Falle.

Wegen dem reichhaltigen Angebot an Gras und Kräutern über den Sommer, bot es sich auch irgendwann an, Kaninchen zu halten. Jedoch, auch hier waren die Verluste durch Kaninchenkrankheiten an der Tagesordnung. Jämmerlich anzusehen, wenn 8 Wochen alte Jungtiere innerhalb 2 Tagen regelrecht verreckten. Den eingesparten Futterkosten über den Sommer, standen Serumkosten gegenüber, weil ohne Impfung kein einziges Tier bis zur Schlachtreife gebracht werden konnte.

Bienen liessen sich dagegen recht einfach und natürlich halten. 2-3 Völker reichten für den Eigenbedarf aus. Wenn über den Winter ein Volk eingegangen war, konnte man aus den 2 verbliebenen in der neuen Saison ein neues generieren, oder einen Schwarm einfangen. Leider sind im Winter 2014/15 das erste Mal alle 3 Völker eingegangen und die Bienenhaltung muss neu aufgebaut werden.

Von den 50 eingesetzten Forellen in unseren Weiher haben wir ca. 6 „geerntet“. Sehr schnell sprach es sich offensichtlich unter Fischreihers rum, wo es Fisch zu holen gab.
Einerseits sind ja Graureiher sehr scheu und fliegen bei der kleinsten Störung auf, andererseits ist die Entfernung vom Haus zum Weiher mit ca. 100 m für regelmässige Kontrollen einfach zu gross. Im Übrigen fängt so ein Raubzug beim Reiher im Sommer mit dem Sonnenaufgang an, der ja bekannter Massen schon ab 5.00 Uhr beginnen kann …
Wegen seiner Grösse kann der Weiher nicht mit Netzen überspannt werden, wie überhaupt ganz allgemein gilt, dass Schutzmassnahmen jeglicher Art selten in einem günstigen Verhältnis von Kosten und Nutzen stehen.

Kleidermotten haben 2 meiner schönen dicken Wollpullover angelöchert und die Schaffelle zur Nachwuchsaufzucht als Futterquelle benutzt und wenn ich nicht in weiser Voraussicht Lebensmittel nur noch in Schraub- oder Bügelgläsern aufbewahren würde, wären die Lebensmittelmotten auch sehr erfolgreich geworden.

Noch ein paar Worte zur Energiegewinnung, als nicht unwesentlicher Teil des selbstbestimmten Lebens:

Über den Sommer wird seit einem Jahr das Brauchwasser über ein Solarpanel erzeugt – selbstverständlich alles aus wieder verwendeten Komponenten im Eigenbau. Im Winter erzeugt das Warmwasser die Holzzentralheizung mit. Alle 2 Jahre muss für die Heizung Hartholz zugekauft werden, weil nur Fichte und Birke aus dem eigenen Wald anfällt, was dann mit dem Hartholz gemischt wird.
Unterm Strich betrachtet ist Teilselbstversorgung hier immer auch mit vielen Rückschlägen verbunden, die einem manchmal sehr zu schaffen machen können. Andererseits gibt es zu so einem Leben mitten in und mit der Natur im Jahreslauf für uns keine Alternative und ein Zurück in ein Stadtleben ist für uns gerade nicht vorstellbar. Mit eigener Wasserversorgung aus einer Quelle auf dem Grundstück, die auch in den langen Trockensommern der Jahre 2003 und 2015 nie erschöpfte, eigener Wasserentsorgung auf dem eigenen Grundstück fallen dafür schonmal keine Ausgaben an. Ausgabenschwerpunkte sind Energiekosten. Benzin für die Ketten-, Strom für Kreissägen und Bauerndiesel für den Trecker. Ein grösserer Posten stellt die jährliche Grundsteuer dar, die mit rund 400 € zwar überschaubar ist, die aber jedes Jahr geringfügig steigt.
Versicherungen gibt es keine (nein, auch keine Brandversicherung). Bis vor 2 Jahren habe ich mich hin und wieder geärgert, dass ich eine weitere sog. Gemeindesteuer zu bezahlen hatte, die u.a. Fernsehgebühren, Abwassergebühren, Wasserversorgungsnetz, Dorfbeleuchtung etc. beinhaltete, an denen wir aber nicht beteiligt sind, bzw. davon keinen Nutzen hatten, weil weit ausserhalb der Gemeinde wohnhaft. Sich mit diesem Gemeinschaftsgedanken anzufreunden fiel oft schwer, aber nun wurde diese Abgabe bei uns wegen „Armut“ (Einkommen unter bestimmter Grenze) abgeschafft. Gut so!

Würden wir die Welt rettern wollen, hätten wir schon eine sehr gute Ausgangsposition erreicht: Keine Urlaubsflüge, Fleischkonsum nur von eigenen Tieren, nur 3-4 mal im Jahr das Auto betanken für Besorgungsfahrten, Heizen mit Holz, Wassererwärmung im Sommer Solar. Das Leben erinnert sehr an das meiner Vorfahren, die von ihrem Land lebten und Geld nur eine untergeordnete Rolle spielte.

Das Jahr 2016 wird dennoch ein Innehalten geben, Rückblick auf Erreichtes in Haus, Hof und rund um das Anwesen. Die Fragen, die sich stellen, werden u.a. sein, ob wir, und wenn die Frage mit Ja beantwortet wird, inwieweit wir unsere Pflanzen und tierischen Mitbewohner mit anderen Mitfressern teilen wollen. Fängt man z.B. 2 Wühlmäuse weg, kommen 5 nach. Habicht und Graureiher stehen unter Naturschutz und davon abgesehen, ist denen auch nicht wirklich bei zu kommen, weil weder Tag noch Stunde ihrer Heimsuchung bekannt sind.

In diesem Sinne: Der König ist tot, es lebe der König!