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Poltergeist

Zu Zeiten, als das Haus noch nicht dauerhaft bewohnt war und wir nur an verlängerten Wochenenden und im Urlaub dort waren, war das Gemäuer noch fest im „Besitz“ verschiedener Waldtiere. Fledermäuse, Steinmarder und Gartenschläfer hatten Quartier bezogen – von Mäusen einmal ganz abgesehen.
Nachts, wenn es ruhig wurde, hörte sich das Rascheln einer Maus auf dem Dachboden schon mal an, als triebe dort ein Hausgeist sein Unwesen. Vielleicht eine unerlöste Seele, die nicht zur Ruhe kommt, wie man es aus Genrefilmen kennt?
In einer anderen Nacht kam das Geräusch allerdings von unten – das Schlafzimmer ist genau über der Küche.
Diesmal war das Geräusch schon beängstigend laut und weil wir damals noch keine eigenen Haustiere hatten, blieb der Verursacher des Geräusches rätselhaft.
Als dann irgend etwas aus dem Küchenregal auf den Estrichboden fiel und zerbarst, war es an mir nach zusehen, wer oder was hier derart „herumgeisterte“.
Man muss wissen, dass in den Sommermonaten die Türen des Hauses tagsüber häufig offen standen – auch während unserer zeitlich begrenzten Abwesenheit.

Kobold

Der „Poltergeist“ entpuppte sich als ziemlich lebhafter, nachtaktiver Gartenschläfer. Er hatte eine Porzellantasse aus dem Regal geworfen und schaute mich mit grossen ängstlichen Augen an.
Ich erinnerte mich daran, dass die Vorbesitzer eine selbstgebaute kleine Holzkiste mit Sichtfenster auf dem Boden zurückgelassen hatten. Ich füllte sie noch in der selben Nacht mit Heu und stellte sie auf das Küchenregal.
Der Gartenschläfer bezog also am Morgen dankbar sein provisorisches Quartier, liess sich mit Gemüse und Obst füttern, verschlief den Tag und spukte nachts mit entsprechendem Lärm in der Küche herum. Besonders die unterschiedlichen Wach- und Aktivzeiten, die sich von unseren so diametral unterschieden, machten es dann doch erforderlich, ihn nach ein paar Tagen wieder nach draussen zu befördern. Natürlich am Tag, mit samt seiner Unterkunft!